Typografie – eine Beschreibung
Gute Typografie macht keine Geräusche beim Lesen (Otl Aicher)| Typografie ist die Lehre des Gestaltens im Umgang mit Schrift, um eine bessere Lesbarkeit zu erzielen und die Wirkung des Textes z.B. in der Werbung zu erhöhen. – Die Kunst dabei ist der richtige Umgang mit den typografischen Gestaltungsmitteln Schrift, Fläche und Bild. | Der große schöpferische Gestaltungsspielraum der Typografie definiert sich letztlich durch unzählige einzelne Merkmale, die es zu beachten gilt: von der Auswahl der richtigen Schrift über den Entwurf des Layouts bis hin zur präzisen Ausarbeitung um die bestmögliche Wirkung des Textes zu erreichen. | |
Während die Mikrotypografie (Schrift) die Grundregeln für die Behandlung von schrift- bzw. textbezogene Einheiten wie den Buchstaben, das Wort, die Zeile oder den Absatz beschreibt, bezieht sich die Makrotypografie (Layout) auf den Gesamteindruck einer Drucksache. | ||
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Zu unterscheiden sind zwei Gruppierungsmöglichkeiten zur Textanordnung: symmetrische (axiale) und asymmetrische (anaxiale) Anordnung. Symmetrie vermittelt Gleichheit und Ebenmaß; Asymmetrie ist freier und eigenwilliger. Durch geschickte Raumgliederung stellt man Texte mehr oder weniger in den Vordergrund. Dabei kann man die horizontale oder vertikale Gliederung oder das Bilden eines Zentrums auf dem Papierformat anwenden. Zeilenbreiten, Zeilengruppen und Papierformat müssen in einem harmonischen Verhältnis zueinander stehen. Diese Stellung ist vom optischen (dem Auge erscheinenden) und vom metrischen (messbaren) Standpunkt zu beurteilen. – Für alle geschmacklichen Erwägungen ist jedoch der optische Eindruck maßgebend. Ein messbares harmonisches Verhältnis ist mit Hilfe des Goldenen Schnittes erreichbar. Bei einer gegebenen Höhe oder Breite kann man diese Maße der schönen Aufteilung ermitteln. Hervorhebungen können sich harmonisch in die Gestaltung einfügen. Sie können kontrastreich sein oder durch ihre Originalität auffallen. Hier spielen Raumaufteilung und Flächen, Farben, Linien, grafische Symbole, andere Schriftschnitte oder Schriftgrade mit. Welche Auszeichnungsart im Akzidenzsatz gewählt wird, hängt von der Art und Zielsetzung der Drucksache ab. |
... und das Salz in der Suppe: Kontraste sind Gegensätze, die der Schriftsetzer (Mediengestalter) bei der typografischen Gestaltung durch die richtige Dosierung und zweckorientierte Anwendung in harmonischen Einklang zu bringen versteht. Der Kontrast ist es, welcher einer Drucksache Lebendigkeit verleiht. Genauso wie in vielen Bereichen der Gestaltung kann man hier keine festgefügten Regeln aufstellen; das richtige Gespür und Erfahrung gehört auf jeden Fall dazu. Kontrastbildungen machen eine Drucksache spannungsreich und wirkungsvoll. Zwischen den Kontrasten muss eine harmonievolle Spannung angestrebt werden. Mehr als drei Wirkungselemente sollten möglichst nicht eingesetzt werden, da sonst die Akzentuierung verloren geht. Fazit: Es sind zahlreiche Möglichkeiten fürs Layout gegeben. Doch die Texte sind richtig zu gliedern und zu ordnen, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und hervorzuheben, und freie und bedruckte Fläche gegeneinander abzuwägen. Zwischen optischen, sprachlich-logischen und technischen Erfordernissen ist der beste Kompromiss zu finden. Und den finden i.d.R. nur Profis, die ihr Handwerk erlernt haben. Von Hobbytätern erstellte Drucksachen werden meist schnell als laienhafte Pfuscharbeit entlarvt. | |
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Beim Bleisatz war das gesamte Satzmaterial (Schrift, Linien, Blindmaterial) in Länge, Stärke und Höhe systematisch nach dem typografischen Maßsystem (Didotsystem) eingeteilt. Fournier und Didot aus Frankreich hatten es um 1800 geschaffen. Grundlage und kleinste Einheit ist der typografische Punkt, der vom französischen Fuß abgeleitet ist. In Deutschland wurde dieses Didot-System übernommen und von dem Schriftgießer Berthold (Berlin) auf das metrische System umgerechnet: | ||
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1 Millimeter = 2,66 p 1 Punkt = 0,376 mm 12 Punkt = 1 Cicero 4 Cicero = 1 Konkordanz | Beim englisch-amerikanischen Pica-System ist der Punkt etwas kleiner als im Didot-System: 1 Point (pt) = 0,351 mm 12 Point = 1 Pica = 4,218 mm | ||||
Für den Satz von Schreibmaschinen- und EDV-Formularen für die maschinelle Beschriftung (z.B. Endlosformulare) wird das Zoll-System angewandt: 1 Zoll (engl. Inch) = 25,3995 mm Als Maßstab benutzen wir ein Millimetermaß oder das Typometer, das zum Vergleich typografische und metrische Werte zeigt. Hier sind zum Bestimmen von Schriftgrößen und Linienstärken meistens auch Schriftgrößenmaße enthalten. Die Schrift steht im Mittelpunkt des Typografen und Schriftsetzers (heute: Mediengestalter) und steht uns in vielerlei Formen als Ergebnis verschiedener Stilepochen zur Verfügung. Alle Schriften sind international klassifiziert, d.h. geordnet. Für den deutschen Bereich ist das die DIN-Norm 16518 mit insgesamt zwölf Kategorien (international wurden diese auf acht reduziert). Die Unterschiede der Antiquaschriften (I-VII) erstrecken sich auf die unterschiedlichen Strichstärken der einzelnen Buchstaben, auf die Serifen und die Ansätze bei den Kleinbuchstaben.
Die Schriftwahl ist von der Art, der Zielsetzung und der inhaltlichen Aussage einer Drucksache abhängig. Durch harmonische Schriftmischungen wird eine Steigerung der typografischen Wirkung erreicht. | |||||